Nervenkritzel und ich
“Wie kommt man denn auf sowas?”
Ein wunderbarer Satz. Immer, wenn ich ihn höre, weiß ich, dass ich jemanden verwundert habe. Mit einer kleinen Idee ein kleines Schmunzeln oder vielleicht sogar ein Lachen zu provozieren ist einfach ein tolles Gefühl. Diesen Überraschungseffekt versuche ich so oft ich kann heraus-zufordern – ganz besonders wenn es um meine gezeichneten Wortspiele geht, die Nervenkritzel.
Was die Nervenkritzel genau sind und wie es zu ihnen kam, ist eine etwas längere Geschichte. Ich versuche sie mal der Reihe nach zu erzählen:
In der Grundschule fiel bei einem Elternabend irgendwann von meiner Mathelehrerin der (familienintern mittlerweile legendäre) Spruch: “Ihr Sohn lebt unter einer Käseglocke!” Bezogen war dieser Satz auf meinen ständig vollgeschmierten Heftrand, der kaum Raum für Korrekturen ließ. Meine Mathelehrerin sah darin Grund zur Sorge, während meine Mutter darüber eigentlich nur lachen konnte. Sie sah immer die positiven Seiten in meinem kreativen Ausleben. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, jemals deshalb gemustert worden zu sein (Außerdem hatte meine Mutter immer Verständnis für meine Konzentrationsschwierigkeiten im Matheunterricht).
Also ging es weiter!
In der Oberstufe packte mich dann so richtig das Fieber. Immer wenn ich Zeit und Ideen hatte, griff ich den Platz neben meinen Notizen an. Kaum eine Unterrichtsstunde blieb von der Kritzelwut verschont. Dabei zeichnete ich allerdings nie für mich alleine. Mir war irgendwie immer wichtig, dass ich, wenn ich das Ergebnis jemandem zeige, einen Effekt erziele und er oder sie das cool findet. Ich wollte immer vorzeigen. Im stillen Kämmerlein meine eigene Suppe zu kochen, war nie meine Sache.
Irgendwann kam ich dann darauf, nach doppeldeutigen Wörtern zu suchen, deren verborgene Bedeutung dann als Zeichnung zu Blatt gebracht wird. Damit, so stellte sich heraus, konnte ich tatsächlich Leute überraschen. Im Unterricht wurden dann Papiere hin- und hergeschoben. Je mehr Reihen sie weitergereicht wurden, desto stolzer war ich. Und desto kritischer wurde es auch, denn die Lehrer merkten das natürlich auch irgendwann. Das war es aber auf jeden Fall wert.
Während der Uni entwickelte sich dieses Hobby dann immer weiter und ich merkte, dass minimal veränderte Wörter sich am besten zeichnen ließen. Außerdem gabs da noch mehr kreativen Spielraum UND mir fiel mehr ein. Klasse! Von da an kannten die Bilder eigentlich kein Halten mehr und der Name “Nervenkritzel” entstand.
Seit Februar 2010 gibt es Nervenkritzel nun endlich auch im Internet zu sehen. Sogar in Farbe. Wow! Die handwerkliche Entwicklung geht also weiter und der Look hat sich auch stetig weiterentwickelt. Je mehr Arbeit ich in die Bilder stecke – so habe ich die Erfahrung gemacht – desto besser kommen sie an.
Freunde und Kollegen fragen mich oft, ob ich ihnen etwas illustrieren kann oder eine Idee für T-Shirts oder Poster habe. Das macht mir große Freude, denn es ist schön zu sehen, wenn die Bilder den Notizblock verlassen und hinaus in die Welt fliegen.
Wortspiele gibt es ja zuhauf- viele davon auch in Witzform. Die sind meinen Zeichnungen sehr ähnlich. Jedoch ist es mir ein Anliegen, keinen Witz zu Papier zu bringen, der nicht etwas Neues hat. Dass ich die bekannte “Nuschel” oder das “Kaminchen” zeichne wird also nie passieren (obwohl die Pointen fraglos fantastisch sind). In den allermeisten Fällen stammt die Idee von mir. Ab und zu kommt in Zusammenarbeit mit Freunden auch ein Einfall auf, den zu verschmähen geradzu Frevel wäre. Diese werden dann mit einer Widmung versehen.
So, genug gelabert- hier gehts schließlich in erster Linie ums Zeichnen. Daher viel Spaß beim Stöbern. Ich freue mich über jeden Kommentar und jede Weiterempfehlung.
Kritzeliger Gruß!
Thomas

Letzte Kommentare